Rückschau ICF BANK auf die Handelswoche
Wochenrückblick Anleihehandel
| Emittent | Fälligkeit | Kupon | Rendite |
| Bundesschatzanw. – EUR | 10.12.2026 | 2,000% | 2,572% |
| Dt. Pfandbriefbk. – EUR | 25.01.2027 | 3,000% | 3,098% |
| Norddt. Landesbk. – EUR | 17.09.2029 | 3,500% | 3,953% |
| KFW – USD | 03.04.2028 | 2,875% | 4,909% |
| Norwegen – NOK | 26.04.2028 | 2,000% | 4,839% |
Quelle: ICF BANK AG Wertpapierhandelsbank, Frankfurt am Main

Börsentäglich aktuell von der ICF BANK
Morning News & Wochenvorschau
Börsentäglicher Newsletter (Morning News) mit Marktdaten für USA und Japan sowie wichtige News, Termine und Analysteneinschätzungen für Werte aus Deutschland und Europa zum Handelsstart sowie als Wochenvorschau.
Quelle: ICF BANK AG Wertpapierhandelsbank

Automotive bremst – Bitcoin gibt Gas
Hiobsbotschaften der Autobauer aus Wolfsburg und Stuttgart dominierten mit Margen-Verfall, Milliarden-Abschreibungen sowie drohenden Entlassungen und Werksschließungen die nationalen Wirtschaftsnachrichten. Die mit dem Stern liegen beim Aktienkurs seit Jahresbeginn rund 30 Prozent im Minus. Beim Konzern mit dem Golf, der gerade seinen angestammten Platz im Euro Stoxx 50 verloren hat, ist es ähnlich. Hier prägt der Absturz im Juni von 90 auf 70 Euro den Chart. Zwischenzeitliche Erholungen nähren immer wieder die Hoffnung, um anschließend doch zu enttäuschen. Die tiefgreifenden Strukturprobleme, der zähe Umstieg auf die Elektromobilität und der Druck aus China machen der deutschen Schlüsselindustrie spürbar zu schaffen. Die deutschen PKW-Exporte sinken 2026 bisher um 4 Prozent, während die Importe um 16 Prozent zulegen.
Zum Glück lässt sich der DAX davon nicht mehr so leicht nach unten ziehen. Die historische Abhängigkeit von den Automobil-Aktien hat sich in den letzten 10 Jahren vom zweistelligen in den einstelligen Prozentbereich halbiert. Nach einem schwachen Wochenabschluss, und von politischen Wahlen erneut unbeeindruckt, legte der DAX am Montag satte 1,3 Prozent zu. Doch heute wackelt wieder die Marke von 25.500 Punkten. Derweil konnte an den US-Märkten der Dow Jones am Dienstag sein 37. Rekordhoch des laufenden Jahres verzeichnen und die Technologiebörse Nasdaq stand gestern so hoch wie noch nie. Autoaktien spielen da keine große Rolle, der auf unter 100 USD gefallene Ölpreis vielleicht schon eher.
Als energiehungrig galt immer der Bitcoin, wo seit dem Peak vom Oktober zuletzt Kurseinbrüche um 50 Prozent das Bild prägten. Statt unter 60.000 USD notiert die bekannteste und wertvollste Digitalwährung aktuell über 86.000 USD und hat damit seit dem Jahrestief Anfang Juli in kurzer Zeit knapp 50 Prozent zugelegt. Das starke Momentum vertreibt die Gerüchte um einen Krypto-Winter, aber die Strecke bis zum alten Rekordhoch von fast 126.000 USD ist nochmal genauso lang. Hoffentlich reicht der Sprit dafür.


Newsletter vom 23. September 2026
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

ASSET CLASS: Compounder statt Hypes
Der Podcast von Scalable Capital über Wachstum & Werte
In „Asset Class“, dem Podcast von Scalable Capital, die seit Ende 2024 zusammen mit der Börse Hannover den neuen Handelsplatz European Investor Exchange betreiben, dreht sich alles um die Welt der Investments – von Aktien und ETFs bis zu spannenden Geschäftsmodellen und wirtschaftlichen Trends. Scalable Chief Economist Christian W. Röhl gibt Einblicke hinter die Kulissen der Finanzmärkte und spricht mit inspirierenden Gästen über clevere Strategien für langfristigen Vermögensaufbau.
Kapitalanlagen bergen Risiken. Keine Anlageberatung.
Die aktuelle Folge:
Noah Leidinger erreicht mit „Ohne Aktien Wird Schwer“ jeden Morgen über 30.000 Hörerinnen und Hörer. Obwohl er täglich zahlreiche Unternehmen und Geschäftsmodelle analysiert, bleibt sein eigenes Depot überraschend klassisch. In dieser Folge erklärt Leidinger im Gespräch mit Christian W. Röhl, warum der MSCI World das Fundament seiner Geldanlage bildet und welche Einzelaktien es trotzdem in sein Portfolio schaffen. Es geht um strukturell starke Compounder fernab von Technologiegiganten – etwa die polnische Supermarktkette Dino Polska oder den finnischen Discount-Baumarkt Puuilo. Außerdem: Bewertungsmethoden abseits des KGV, die Grenzen von KI bei der Analyse von Earnings Calls und die Faszination für Roll-up-Strategien und „Serial Acquirers“ wie Brad Jacobs.
Weitere Folgen:



Zwei Mäntel und ein echter Neuzugang
In der neuen Ausgabe 03/2026 des GoingPublic-Magazins blickt Oliver Vollbrecht auf die aktuellen Listingaktivitäten an der Börse Düsseldorf, insbesondere im allgemeinen Freiverkehr und dem Düsseldorfer Qualitätssegment Primärmarkt:
Nachdem die Börse Düsseldorf 2025 die Zahl der Neulistings von Aktien zum dritten Mal in Folge steigern konnte, spiegeln die Aktivitäten in diesem Jahr eher den aktuellen Pegelstand des Rheins wider. Während bei Anleihen und Zertifikaten das Neuemissionsgeschäft recht lebhaft verläuft, herrscht bei Aktien Flaute. Immerhin wurden zwei Mantelgesellschaften mit innovativen Geschäftsmodellen gefüllt und mit Davigo gewinnt die Börse einen echten Neuzugang, der nach Höherem strebt.
Der Primärmarkt, das Qualitätssegment der Börse Düsseldorf innerhalb des Freiverkehrs mit erhöhten Transparenzanforderungen, hat Zuwachs bekommen: Die EPH Group AG, aktiv im Bereich der Ferienhotellerie, kam im April 2026 hinzu. Die Erstnotiz erfolgte im November 2025 in Stuttgart. Zudem wurden zwei neue Mantelgesellschaften gelistet: Im Mai wurde die Notierung der Ilenius SE aufgenommen, im Juni kam die DN Vermögensverwaltung AG hinzu. Das Listing von Mänteln ohne operatives Geschäft, gewissermaßen „SPACs light“, ist eine Spezialität der Börse Düsseldorf. Sie erlaubt solche Listings mit der Maßgabe, dass die leeren Mäntel in den darauffolgenden zwei Jahren mit operativem Geschäft, typischerweise in Form einer Sachkapitalerhöhung, gefüllt werden. Auch den beiden Neuzugängen muss somit innerhalb von zwei Jahren operatives Leben eingehaucht werden.
Mantelgesellschaften mit jungen Unternehmen befüllt
Bei zwei Mantelgesellschaften wurde die „Befüllung“ in den vergangenen Monaten bereits vollzogen. In die Utranos SE wurde das Geschäft von CubeDoc eingebracht, die mit ihrem modularen Gesundheitswürfel Diagnostik vor Ort, KI-gestützte Analyse und eine telemedizinische Konsultation anbietet. Aktuell notiert die Aktie bei 1,20 EUR, was einer Marktkapitalisierung von stolzen 134 Mio. EUR entspricht. Auch der SPAC Fonterelli SPAC 4 wurde mit operativem Leben gefüllt, indem das operative Geschäft von Aqarios eingebracht wurde; die neue Firmierung lautet
Aqarios Quantum Technologies AG. Der Anbieter von Quantensoftware wurde als Spin-Off der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) gegründet und will die Möglichkeiten des Quantencomputing für industrielle Anwendungen erschließen. Gemeinsam mit SAP, BASF und der LMU engagieren sich die Münchner im Verbundvorhaben QuCUN (Quantum Computing User Network) bei der Entwicklung eines offenen Quantencomputing-Ökosystems für Deutschland. Seit dem Börsengang am Juli ist die Aktie auf aktuell 13,40 EUR geklettert, der Börsenwert liegt damit bei 34 Mio. EUR.
Davigo will wachsen und die Börse aktiv nutzen
Am 19. Mai betrat die Davigo AG erstmals das Parkett. Das Unternehmen mit Sitz in Hamburg bezeichnet sich als Beteiligungsgesellschaft und investiert mit zwei regelbasierten Investmenttechnologien in verschiedene Anlageklassen. Das System „David“ generiert Kauf- und Verkaufssignale für börsennotierte Unternehmen, mit dem Programm „Goliath“ analysiert die Gesellschaft nun auch Investitionsmöglichkeiten in der Private Equity-Welt, vorzugsweise Start-ups und Spin-offs. Die Hauptversammlung am 31. Juli hat nicht nur ein genehmigtes Kapital geschaffen, sondern auch eine Kapitalerhöhung gegen Bareinlagen um bis zu 4,7 Mio. EUR beschlossen – das entspricht rund dem Zweieinhalbfachen des bestehenden Grundkapitals. Auf Basis der aktuellen Aktienzahl vor Eintragung der Kapitalerhöhung liegt der Börsenwert bei rund 3 Mio. EUR. Davigo hat sich einiges vorgenommen: Das Unternehmen strebt eine Notiz im Düsseldorfer Primärmarkt an. Die damit verbundene Handelbarkeit auf Xetra soll die Aktie attraktiver machen. Die nächste Kapitalerhöhung ist bereits vorgezeichnet.
Fazit
Der Kapitalmarkt ist ein Auf und Ab. Als Plattformbetreiber kann die Börse Düsseldorf an ihrer Attraktivität und ihren Rahmenbedingungen arbeiten, gegen das allgemeine Umfeld aber kann auch sie sich nicht stemmen. Auf ein üppiges 2025 folgt ein bislang eher mageres 2026. Immerhin bereichern drei junge Unternehmen mit innovativen Geschäftsmodellen den Kurszettel. Und irgendwann kommen auch wieder Zeiten mit lebhafteren Aktivitäten bei den Erstnotizen – wie auch das Bett des Rheins sich wieder mit Wasser füllen wird.
Zahl der Woche: 245

Neuer Rekordstand beim Oktoberfest-Goldpreis-Index
Zum Start des Münchner Oktoberfests am 19. September 2026 beträgt der Durchschnittspreis für 1 Maß Bier 15,61 Euro. Beim aktuellen Goldkurs von 4.384 USD und einem Euro-Wechselkurs von 1,1485 (Daten vom 18.09.2026) ergibt sich ein Indexwert von 245 Maß Bier für 1 Unze Gold.
Der bisherige Rekord lag be 203 im Jahr 2025. Der Durchschnittswert seit 1970 liegt bei 101 Maß Bier für 1 Unze Gold. Der Bierpreis ist bisher in jedem Jahr gestiegen.

Rückblick auf die Wiesn-Eröffnung 2025 in einem Chart-Show-Spezial
Auftaktveranstaltung Planspiel Börse: Börsenwissen für Schüler:innen und Auszubildende bei der Sparkasse Leverkusen
Am Dienstag, den 16. September 2026, veranstaltete die Sparkasse Leverkusen ihre Auftaktveranstaltung zum diesjährigen Planspiel Börse und lud die Börse Düsseldorf zum wiederholten Mal als Gast ein, um den jungen finanzinteressierten Teilnehmer:innen die Börsenwelt ein Stück näher zu bringen.


Planspiel Börse – frei von realem Risiko handeln!
Das Planspiel Börse bietet einen spielerischen Wettbewerb mit virtuellem Kapital, der das Investieren und Handeln verschiedener Assets an realen Börsenplätzen und zu realen Kursen ermöglicht.
Der Spielbeginn rückt näher, und die Sparkasse Leverkusen leitete nun ihr diesjähriges Planspiel Börse in Form einer Auftaktveranstaltung mit zahlreichen interessierten Schüler:innen und Azubis ein. Ab dem 1. Oktober 2026 können wieder die 50.000 Euro Spielgeld möglichst gewinnbringend investiert werden. Für die Nachhaltigkeitswertung gelten übrigens die 50 internationalen Aktien aus dem GCX Global Challenges Index der Börse Hannover als Auswahlspektrum.
Neben Präsentationen von Organisator Lukas Elfert und Kollegin Stephanie Koenig wurde als Gast vor Ort auch die Börse Düsseldorf begrüßt, die mithilfe eines eigenen Vortrags dem jungen Publikum einen tieferen Einblick in das Börsengeschehen vermittelte. Von der Düsseldorfer Börse räumten Thomas Strelow und Jamila Khalil durch das Identifizieren und Aufdecken sieben sogenannter „Börsen-Mythen“ mit so manchem verbreiteten Kapitalmarkt-Irrtum auf, der sich u.a. durch Falschwissen und Halbwahrheiten in der Außenwelt verankert hat.
Wir hoffen auf eine Menge gewonnener Erkenntnisse und wünschen allen Teilnehmenden viel Erfolg & vor allem Spaß beim Planspiel!
Außerdem nicht zu verpassen: Der erste Geburtstag des innovativen Finanz-Spots YouFin, welchen die bkp GmbH gemeinsam mit der Sparkasse Leverkusen gestaltet. Ein Ort für junge Menschen, der alles von Finanzberatung, Co-Working, Content Creation bis hin zum E-Gaming bietet! Wann und wo? Am Freitag, den 18. September 2026, mit Feierlichkeiten inkl. Gewinnspielen, Foodtruck und mehr im YouFin-Kessel, Bahnstadtchaussee 2, 51379 Leverkusen – Anmeldung erforderlich.







Börsen-Mythen im Börsen-Radio
Noch während auf dem Anlegertag in Düsseldorf am 12. September 2026 die Vorträge und Besucher über die Messe laufen, sprach Thomas Strelow von der Börse Düsseldorf im mobilen Studio der Börsen Radio Network AG mit Peter Heinrich über gängige Börsen-Mythen.
Nicht alles, was sich zum Thema Kapitalmarkt in den Köpfen festgesetzt hat, stimmt (noch) so und bedarf vielleicht mal einem kleinen Update. Im 15-minütigen Talk wird aufgeräumt: Mit falschen Bildern, Erwartungen und Vorurteilen zum Thema Börse und Kapitalmarkt.

Das Börsenradio schreibt:
Kauf mich! Thomas Strelow über Mythen des Kapitalmarkts:
„Alles ist schärfer geworden. Gefühlt ist alles kursrelevant“
Börse ist Casino, Frankfurt ist die einzige Börse und ist eine 500-Euro-Aktie automatisch teuer? Thomas Strelow von der Börse Düsseldorf räumt mit Börsenmythen auf und liefert Einsteigerwissen ohne Fachchinesisch. Die Toten Hosen bestreiten live ihre letzten Auswärtsspiele, und Thomas Strelow von der Börsen AG genießt beim Anlegertag in Düsseldorf ein Heimspiel. „An den Fragen der kapitalmarktaffinen Besucher erkennst du, wo der Markt hinläuft. Wir erleben im Moment ganz viel Umbruch. Stressfaktor, Geschwindigkeit, Schnelllebigkeit – alles ist schärfer geworden. Und gefühlt ist alles kursrelevant.“ In seinem Vortrag auf dem Börsentag beschäftigt sich Strelow mit alten und neuen Börsenmythen. Die Düsseldorfer Börse ist bekannt für ihr vielfältiges ETF-Angebot: „Unser großer Umsatzbringer.“ Der starke Wettbewerb aller deutschen Handelsplätze führt dazu, dass auch immer wieder beste Preise woanders aufgerufen werden, und nicht da, wo schon der meiste Umsatz des Tages war. Eignet sich der DAX als Fieberthermometer der Konjunktur? „Nicht wirklich. Der DAX spiegelt nur bedingt die deutsche Wirtschaft.“
Einfach kostenlos auf der Börsenradio-Website anmelden und reinhören.
Lohnt sich auch für viele andere spannende Beiträge!



Scheideweg
Monatlicher Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG
Die „Zwischenwahlzeit“ ist in Deutschland meistens eine sehr interessante Zeit. Gemeint ist die Zeit zwischen den Landtagswahlen, die immer als großer Stimmungstest für die Bewertung der amtierenden Bundesregierung gewertet wird. Insofern ist Deutschland etwas Besonderes. Es gibt nicht wie in den USA die Midterms, es gibt viele punktuelle Wahlen, die interessanterweise alle gleich gewichtet werden, obwohl die Bundesländer strategisch und in Bevölkerungszahl stark differenzieren. Jetzt stehen wir zwischen den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern zeitgleich mit Berlin. In diesem Standpunkt beschäftigen wir uns damit, ob der Rechtsdruck in Sachsen-Anhalt zum Kapitalmarktrisiko für KMU werden kann.
Die Wahl in Sachsen-Anhalt verschiebt die politische Risikowahrnehmung von ausländischen Investoren massiv. Politische Stabilität ist wichtig für die wirtschaftliche Berechenbarkeit. Unternehmensbewertungen unterliegen auch dem Country Risk. So verbindet Amundi, als großer institutioneller Investor die Risikoprämie von Unternehmen mit der politischen Stabilität. Beide gehen Hand in Hand. https://research-center.amundi.com/article/german-reforms-what-do-they-mean-european-equities.
Auch der Präsident der Deutschen Bundesbank, Joachim Nagel, äußert sein massives Unbehagen über den Aufstieg der AfD auf einer Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank in Berlin: „Hilft das, ausländische Investoren in dieses Land zu locken? Definitiv nicht. Ich denke, sie werden zögern, sie werden davor zurückschrecken, hier Geschäfte zu machen. Also ja, ich mache mir Sorgen.“ Bundesbankpräsident Nagel sagt, er sei besorgt über den Aufstieg der extremen Rechten | Reuters
Gerade Small und Mid Caps sind vom Heimatmarkt stärker abhängig. Operativ sind diese Unternehmen in Deutschland zumeist fest verankert, eben auch als Produktionsstätten. Das ist ein klarer Unterschied zu global orientierten und diversifizierten Konzernen. Gerade hier ist ein negatives Risikoprofil von Deutschland entscheidend. Amundi legt sich auch hier fest: „ERP leg: reform credibility, political stability and lower tail risk can all reduce the premium investors demand.” und speziell für Small/Mid Caps: “We would expect German small and mid-cap companies with high domestic sales and strong balance sheets to outperform large multinational companies. Small- and mid-cap stocks have the most direct fiscal leverage; they benefit (or at least don’t suffer) from euro strength, and they carry the highest confidence beta from a depressed base.”
https://research-center.amundi.com/article/german-reforms-what-do-they-mean-european-equities?utm_source=chatgpt.com
Auch Moodys sieht die Risiken bei Corporate Bonds deutlich. Der Appetit am Credit-Markt wird durch politische Unsicherheiten gebremst. Höhere Risikoprämien schlagen sich bei kleineren Corporate-Bond-Emittenten direkt nieder. Ist der Kupon noch finanzierbar? Trägt mein Geschäftsmodell die Höhe des Kupons? Bekomme ich die Anleihe platziert? Kann ich eine Bank motivieren mich zu betreuen? Das Entscheidende für die Emittenten. Es handelt sich um Umstände, die ihre direkte Unternehmensexistenz betreffen und die sie nicht beeinflussen können.
Deutschland trifft der politische Rechtsruck in einer Phase wachsender struktureller Standortbelastungen. Das IW erwartet bis 2029 eine Fachkräftelücke von 723.000 Personen, 47 Prozent mehr als 2024, und warnt: „Dass zugleich die Zuwanderung einbricht, dürfte den Anstieg noch beschleunigen.“ https://www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/alexander-burstedde-arbeitsmarkt-2029-fehlen-723000-fachkraefte.html Gerade die sogenannten neuen Bundesländer sind auf Zuwanderung angewiesen. Mehr als 160.000 Ausländer arbeiten dort in Engpassberufen. https://www.iwkoeln.de/themen/arbeit-und-verdienst/zuwanderung-und-integration.html
Parallel ist Energie in der Nach-Habeck-Zeit wieder zu einem akuten Wettbewerbsfaktor geworden. Das Bundeswirtschaftsministerium sieht Mitte September eine nachlassende Konjunkturdynamik; Reuters nennt „persistently high energy prices“ als Belastung für Konsum und Wirtschaft.
https://www.reuters.com/world/berlin-sees-slowdown-economic-momentum-early-q3-2026-09-14/
Hinzu kommt die problematische Gasversorgung. Deutschlands Speicher sind nicht ausreichend gefüllt. Das Wirtschaftsministerium scheint dies zu verdrängen und behauptet fest und steif, dass das alles kein Problem sei und ignoriert, dass rein rechnerisch die Speicher nicht mehr auf die festgelegten Standards gefüllt werden können. Die deutschen Speicher waren Anfang September nur zu rund 53 Prozent gefüllt, dem niedrigsten Stand seit 15 Jahren, während europäische und auch deutsche Gaspreise auf den höchsten Stand seit Januar 2023 gestiegen waren.
https://www.reuters.com/business/energy/german-gas-supply-diversification-ensures-imports-price-equinor-says-2026-09-08/. Die Ministerin scheint auf einen sanften Winter zu spekulieren. Der Markt sieht das noch nicht, denn die Preise sind bereits jetzt um 150 % gestiegen sind. Das erinnert an das THE (Trading Hub Europe) genannte System mit dem der Vorgänger die Gaspreise im Sommer 2022 durch die Decke gejagt hat. Mit einem Unterschied. Danach waren die Speicher voll und der Gaspreis ist wieder kollabiert.
Diesmal ist das anders. Auch bei den Unternehmen wächst die Sorge. Der ehemalige Arbeitgeber der Ministerin, die E.ON-Tochter Westenergie, versandte über eine Tochterfirma bereits Briefe an die Kunden mit der Bitte, Ansprechpartner zu definieren. Die Begründung: „Durch die Verkettung witterungsbedingter, wirtschaftlicher, politischer und weiterer unvorhersehbarer Faktoren“ könnten bei der Gasversorgung „Engpässe eintreten“. https://www.handelsblatt.com/unternehmen/energie/energie-150-prozent-preisanstieg-angst-vor-gasmangel-ist-zurueck/100252819.htmlWir sind gespannt, ob noch Gas nachgeladen wird und über wen. Denn während der Kanzler sich am Tag, an dem dieser Standpunkt entstand, um die Arktis kümmert, herrscht in seiner Partei arktische Stimmung. In den letzten Umfragen zur Wahl in Mecklenburg-Vorpommern liegt die Partei zwischen 6 (Pollytix) und 7 (Forschungsgruppe Wahlen) Prozent.
Wir wollen hier keine aktuellen Diskussionen über die Zukunft des Kanzlers und der Koalition lostreten, dazu bietet die Tagespresse ein abendfüllendes Programm. Aber wenn der Winter in 2027 ebenfalls arktisch in Haushalten und Unternehmen wird, weil das Wirtschaftsministerium das versemmelt hat mit dem Gas, dann fragen Sie uns nicht nach den Umfragen. Ob der Kanzler die Kraft nicht mehr hat, hier Richtlinienkompetenz walten zu lassen, oder ob er ebenfalls auf einen milden Winter hofft, wird wohl für immer sein Geheimnis bleiben.
Mittlerweile dürfen wir auch nicht die Spritpreise vergessen. Nach ADAC-Daten vom 9. September kostet Super E10 bundesweit durchschnittlich 2,25 Euro je Liter, Diesel 2,32 Euro. Damit verteuerte sich binnen einer Woche der Liter Diesel um 8,9 Cent. https://www.adac.de/news/aktueller-spritpreis/ Auch das ist eine Standortfrage. Ausländische Fachkräfte verlassen Deutschland und gehen wegen der hohen Lebenshaltungskosten zurück in ihre Heimat. »Wir werden uns damit auseinandersetzen müssen, dass wir Spritpreise um drei Euro bekommen«, sagte Herbert Rabl vom Tankstellen-Interessenverband (TIV) der „Rheinischen Post“ Und damit meint er nicht die Tankstellen an der BAB…
Damit verstärken sich zwei bestehende Standortprobleme: knapper werdendes Humankapital und hohe, volatile Energiekosten. Ein zusätzlicher politischer Risikofaktor trifft deutsche Small und Mid Caps damit auf einer bereits belasteten Kosten- und Wachstumsbasis.
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mwb Kapitalmarkt-Standpunkt
vom 16. September 2026
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Kai Jordan – Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG
Kontakt und weitere Informationen:
mwb Wertpapierhandelsbank AG
Kai Jordan
Kleine Johannisstraße 4
20457 Hamburg
Tel: +49 40-360995-20
E-Mail: kjordan@mwbfairtrade.com
Das KI-Dilemma: Sicherheit oder Tempo?
Wenn sich die Erfinder einer Supertechnologie selbst erschrecken, horcht das Parkett auf. Führende KI-Pioniere und Chefs von Entwicklerschmieden wie OpenAI oder Anthropic schlagen in seltener Einigkeit überraschend leise Töne an. Aus Sorge vor Sicherheitsrisiken und Kontrollverlust plädieren sie offen für eine Verlangsamung der Entwicklung. Dass die Architekten des Booms freiwillig auf die Bremse treten wollen, passt so gar nicht zum harten Wettbewerb im Tech-Sektor.
Das angedachte Durchatmen in den immer schneller werdenden Entwicklungszyklen ruft sofort Kritiker auf den Plan. Der US-Präsident und Nvidia-Chef Jensen Huang machen klar: Im globalen Wettbewerb gibt es keine Pause-Taste! Nvidia liefert weiterhin die hochbegehrten Schaufeln für den KI-Goldrausch und denkt nicht daran, das Tempo zu drosseln. Für Trump geht es darum, die Vorherrschaft gegen China unbedingt zu verteidigen. Börsianer stellt sich damit die Frage: Baut die Tech-Branche hier gerade nachhaltige Leitplanken für die Zukunft – oder bremst sie am Ende ihren erarbeiteten Vorsprung aus?
Apropos Bremsen: Auf eine ganz andere Art der Drosselung blicken die Märkte am Mittwochabend, wenn die Zinsentscheidung der Federal Reserve ansteht. Die Erwartung einer erneuten Zinkanhebung ist unter dem Druck steigender Energiepreise binnen nur einer Woche von 60 auf über 90 Prozent gestiegen. Höhere Zinsen verteuern aber das Kapital, was besonders wachstumsstarke, aber vornehmlich fremdfinanzierte Tech-Titel einbremsen könnte.
Diese Unsicherheit spiegelt sich auch im heimischen Markt wider. Anders als Ende August spricht gerade niemand mehr von neuen Rekorden. Der DAX hat in den letzten Wochen den Rückwärtsgang eingelegt und ist gestern zeitweise unter 25.200 Punkte gefallen. Kein völlig überraschendes Bremsmanöver im schwierigen Börsenmonat September.


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Thomas Strelow, Börse Düsseldorf




